Collage: mTr / Foto: zur Verfügung gestellt von G. Schmidt    Fragen: mTr / B. & H. Seitz / Realisation: mTr / H. Seitz
Collage: mTr / Foto: zur Verfügung gestellt von G. Schmidt Fragen: mTr / B. & H. Seitz / Realisation: mTr / H. Seitz

 

In diesem Monat wieder einmal etwas ganz Feines - so fein, dass noch während  eines Konzertbesuchs der Entschluss reifte, Gerths Bagaasch im Monat März als unsere Künstler des Monats zu präsentieren. Das Ergebnis: Ein Interview mit Gerth Schmith und seinen Mitstreitern, eben Gerths Bagaasch.

 

We hebbt utfrogt un Gerth un sine Bagaasch vertellt.

 

 

Utfrogt    -     Das Interview

Wie kommt man eigentlich dazu, plattdeutsche Gedichte zu vertonen. Gab es bestimmte Gründe, dass die Gedichte des Klaus Groth im Mittelpunkt stehen? Schließlich gibt es von diesen Gedichten bereits viele unterschiedliche Vertonungen.

Gerth:

 

Ich fand in einem Antiquariat eine Ausgabe von „Quickborn“ und kaufte das Buch zunächst, da ich mich für Regionalgeschichte interessierte und immer wieder Zeit in Dithmarschen verbrachte; in Heide ist Groth ja geboren worden. Als ich auf die Gedichte von Groth stieß, kannte ich nur die Vertonungen von „Matten Has“ und die plattdeutschen Lieder von Hannes Wader. Aus hochdeutsche Gedichte hatte ich bereits früher Lieder gemacht und als nach dem lesen der Grothschen Gedichte rasch Ideen für Melodien entstanden, habe ich damit begonnen, Groth-Texte zu vertonen.

Quelle: Peter Unbehaun
Quelle: Peter Unbehaun

Wie kam es zu der Idee Klaus Groth mit rockigerem Sound zu vertonen? Wer hatte die Idee?

 

Bagaasch: Wir sind alle mit Rock, Blues, Jazz und Pop-Musik aufgewachsen und machen auch außerhalb des Projektes „Gerths Bagaasch“ Musik in diesen Stilrichtungen. Da war es naheliegend, zu probieren, ob die Groth-Texte in diese musikalischen Formate passen. Wir waren uns schnell einig: Das geht! Und wir erhalten dazu auch immer wieder positive Rückmeldungen aus dem Publikum. 


Wie beschreibt man eure Musik jemanden am besten, der weder Klaus Groths Gedichte noch das Projekt Gerths Bagaasch kennt?  Extra Frage an Gerth Schmidt, wie erklärt man das Projekt Gerths Bagaasch am besten auf Plattdeutsch?

Gerth:

Wat töft op di, wenn du een Optritt von de Bagaasch besöchs?  Stell di vör, Du dröps söben Muskanten op de Spöldeel, de lude Musik mogt: Mit elektrische Rietfidel, Bassrietfidel, Trummeln, elektrisch Örgel und Klaveer, Saxohon und Fleut und dat allens mit Verstarkers. Een richdige Rockband eben… und de Leeder op Platt singen dot. Riemels von Klaus Groth ut dat negentiente Johrhunnert mit Musik von vondach. 

 

Bagaasch:

Gar nicht leicht zu beantworten, diese Frage. Das Publikum trifft auf eine siebenköpfige Band, die mit musikalischen Anleihen aus den Bereichen Rock, Blues, Jazz, Pop plattdeutsche Texte von Klaus Groth aus dem neunzehnten Jahrhundert vertont hat. Je nach Auftrittsort begegnet man der Bagaasch dann voll verstärkt als Rockband oder auch fast „ausgestöpselt“ und etwas zurückgenommen.    

 


Wie kam es zur Auswahl der Gedichte, die bis jetzt von Gerths Bagaasch vertont wurden? Welche Grenzen gibt es aus Eurer Sicht für die mögliche Vertonung der Gedichte von Klaus Groth?

Gerth: Ich blättere immer wieder im „Quickborn“ von Groth und lese mich dann auch immer wieder in Gedichten fest, die mich von der Stimmung oder dem Thema her fesseln. Dann versuche, dazu eine Melodie und Akkordfolge zu finden. Manchmal klappt es rasch, manchmal gehe ich einen Text nach Jahren wieder mal an und es funktioniert oder ich lege Texte, die mir gut gefallen, zu denen mir aber nichts einfällt auch den Mitstreitern vor. Die Band hat dazu dann auch meist Ideen.

Grenzen gibt es da zunächst mal nicht, aber – und da sind wir dann eher schon bei der nächsten Frage – es gibt sehr lange Balladen, die schlecht in Liedformate zu bringen sind und es gibt auch Themen oder Stimmungen in Gedichten von Groth, die für mich nicht so passen


Wer den Band „Quickborn“ durchstöbert, findet auch „Ole Leeder“ oder „5 nie Leeders  ton singn“.  Welche Voraussetzungen müssen die Lieder und Gedichte eurer Meinung nach haben, um diese in eurem Sinn zu vertonen?  (Ich denke da jetzt einfach mal an so etwas wie die Textlänge.)

Bagaasch:

Richtig, wie schon gerade gesagt, es gibt sehr lange Balladen, die für die Umsetzung in Songs für uns ungeeignet sind. Es gibt auch Zeilenlängen und Reimformen, die für die Vertonung zu sperrig sind. Da auch die Groth-Texte, die er selbst als „Lieder“ vorstellt eben doch Gedichte sind, muss man sowieso schon immer überlegen: Gibt eine Strophe einen Refrain her? Wie weit darf ich den Text „umbauen“ und kürzen, um ihn in eine Song-Struktur und ein vorführbare Länge zu bringen?  


Beim Konzert am 24.1.2016 gab es einige Gedichte „nur“ als Textvortrag.  Gab es dafür Gründe und wenn ja welche?

 

 

Bagaasch:

Die Idee kam auf einem Übungsabend aus der Band und es war am 24.1. der erste Versuch, auch einige Texte ohne Musik vorzutragen. Gerade kurze und in der Aussage eindrückliche Texte sind da geeignet. Die Rückmeldungen waren positiv und wir werden dabei bleiben, auch gelesene Texte in das Konzert einzuflechten.


In diesem Konzert moderierte Gerth Schmidt die Lieder an. Entstehen diese Zwischentexte je nach Publikum ad hoc?

Gerth:

Es mischt sich. Es gibt Ansagen zu einzelnen Songs, die ich mir überlegt habe und die auch nur wenig variiere – es geht bei den Ansagen vor allem darum, die Texte kurz vorzustellen: Worum geht es? Welche Geschichte wird erzählt? Welche Stimmung soll hier rüber kommen? Die Ansagen sollen für sich genommen keinen eigenen Platz im Konzert für sich haben. -.

 

Es gibt auch Ansagen, die ich mir vor den einzelnen Auftritten im Kern mit Blick auf das an diesem Ort erwartete Publikum zurechtlege, mir fallen dann auch manchmal spontan aktuelle Dinge ein, die ich einbauen kann. Ich variiere die Textideen aber immer auch in jedem Konzert etwas.  

Bagaasch:

Gerth moderiert die Lieder immer an. Die Texte sollen dem Publikum zumindest in ihrer Kernaussage vermittelt werden; die meisten zu Zuhörerinnen und Zuhörer verstehen ja Plattdeutsch eher nicht. 


Es gibt das erste Album von Gerths Bagaasch „….speelt Groth“. Wie und warum wurden gerade diese Lieder, die man auf dem Album findet, ausgesucht?

Gerth:

Als wir die Idee, einige meiner Groth-Lieder auf CD zu bringen, umsetzen wollten, habe ich Ingo und Nils einige der Songs vorgespielt und habe erklärt, was mich an diesem oder jenem Text so fesselt und worum es in den Liedern geht und dann haben wir gemeinsam eine Auswahl getroffen: Wir wollten möglichst Texte mit unterschiedliche Themen und Stimmungen auf der CD haben. Durch die Arrangements von Nils sind sie dann auch stilistisch sehr unterschiedliche geworden; die Stimmung der Texte wurde durch die Arrangements mächtig unterstützt.


Für den Auftritt hattet ihr neben den Liedern aus der CD eine Vielzahl neuer Titel vorbereitet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Sind das Hinweise für eine neue CD oder doch für vermehrte Life-Auftritte?

 

 

Bagaasch:

Wenn wir ein Konzert spielen wollen, reichen die elf Songs der CD nicht aus. Daher sind wir auch weiterhin dabei das Repertoire auszubauen. Es gibt noch genug Ideen und gute texte bei Groth. … und klar: Der Gedanke, eine weitere CD zu produzieren, ist da.


Wie seht ihr eure musikalische Zukunft, denn schließlich habt ihr ja alle noch einen „Nebenberuf“?

Bagaasch:

Gerths Bagaasch ist ein Musikprojekt, das wir gern weiter betreiben und auch noch etwas ausbauen würden. Musikalisch ist es für fast alle Mitstreiter ein „Nebenprojekt“, das wir aber mit Spaß und engagiert betreiben. Durch die berufliche Einbindung der Bandmitglieder sind wir regional allerdings etwas gebunden. Es wird die Bagaasch also nicht auf großer Tour oder sehr weit von daheim geben


Bei rockigerer Musik wären mir jetzt nicht gerade als erstes Mal Querflöte, Ukulele oder Akkordeon eingefallen. Wie ist diese Instrumentenauswahl entstanden?

Bagaasch:

Die Querflöte setzen wir in etlichen Songs ein. Wir kannten Lars schon länger mit beiden Instrumenten „an Bord“: Saxophon und  Querflöte. Das Saxophon und Rock-Musik ist ein Selbstgänger, aber auch der Einsatz der Querflöte ist so neu ja nicht. Aber vor allem passt die Flöte zu der Stimmung einiger Stücke sehr gut oder anders herum: Die Querflöte bestimmt die Stimmung dieser Songs ganz entscheidend. Dario spielt bislang in einem der Lieder Ukulele. Da kommt es uns darauf an eine gewisse Leichtigkeit in den Song zu bringen. Das gelingt da durch das tolle Zusammenspiel  von Schlagzeug, Bass und Ukulele; die Flöte „dekoriert“ und verbindet die Melodie. Das Stück, in dem Ingo Akkordeon spielt, ist ein walzerartiger Song im Stil eines Volksliedes. Das Instrument passt gerade zu diesem Stil und wir zitieren da auch etwas die typischere plattdeutsche Musik.


Kann man Gerth Schmidt, Ingo Beck, Lars Hierath und Nils Wandrey als so etwas wie die Ur-Bagaasch, die Gründungsväter bezeichnen? Wie hat sich diese Ur-Bagaasch gefunden? Wie sind Olaf Satzer, Dario Beck und Stefan Hübler dazu gekommen?  Gibt es noch weitere Mitglieder der Gruppe?

Bagaasch:

Die Musikszene in Bremerhaven und umzu ist übersichtlich, daher kennen sich viele Musiker im Laufe der Jahre und haben oft auch bereits zusammen in Bands oder Musikprojekten gespielt.

 

Gerth, Lars, Ingo und Nils kannten sich aus der Schule und hatten da immer mal in einer Lehrerband bei schulischen Veranstaltungen zusammen gespielt. Tatsächlich auch schon mal zwei oder drei der plattdeutschen Songs von Gerth. Vor zwei Jahren planten sie einen kleinen Auftritt mit plattdeutschen Songs und Nils regte dann an, das Vorhaben doch ernsthaft zu betreiben und so entstand der Plan im Studio eine Auswahl der Lieder aufzunehmen und eine CD zu produzieren.

 

Als die CD vorlag, kam die Idee auf, die Platte auch einmal live vorzuführen. Dazu brauchte die Band Verstärkung Dario kam als Gitarrist dazu und zwei weitere Kollegen verstärkten die Gruppe.

 

Es boten sich dann etwas später weitere Auftrittsmöglichkeiten. Daher musste eine festere Formation her und die „Urbagaasch“ – inzwischen verstärkt durch Dario – war froh, dass Stephan und Olaf Interesse hatten, das Projekt zu unterstützen. Inzwischen ist durch die Vorbereitung auf die Konzerte und die Arbeit an der Erweiterung des Repertoires die jetzige Band und „Gerths Bagaasch“ zu einem gemeinsamen Projekt geworden.  


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"SONGS & WHISPERS" from Bremen is a live - music and artist development network
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DAP, Hamburg
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Official HP Ian Stenlake
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